Der Passo Giau hat nichts von der Länge des Stelvio, aber sein Ruf in den Dolomiten steht den großen Alpenpässen in nichts nach: 29 Kehren auf weniger als 10 km, ohne einen Meter Pause, bis zu einem Gipfel, der eines der spektakulärsten Panoramen der italienischen Alpen überragt.
Ein kurzer, aber unerbittlicher Anstieg
Ab Selva di Cadore steigt die Straße über 9,9 km bei 918 Höhenmetern, mit einer Durchschnittssteigung von 9,3 %, die praktisch nie nachlässt — die 29 Kehren reihen sich ohne echte Abflachung zum Verschnaufen aneinander. Es ist diese Gleichmäßigkeit, mehr als die Länge, die den Giau so gefürchtet macht: unmöglich, einen Erholungsrhythmus zu finden, im Gegensatz zu längeren Pässen mit stärker schwankenden Prozentsätzen.
Der Gipfel auf 2236 m bietet einen direkten Blick auf die Nuvolau-Gruppe und ihre charakteristischen Felsformationen — eine der Landschaften, die diesem Pass seinen Ruf als schönster der Dolomiten einbringt.
Wie man die Tour angeht
Eine Kompaktkurbel oder ein Dreifachkettenblatt ist auf dieser konstanten Steigung nicht verhandelbar. Die stellenweise schmale Straße bleibt den ganzen Tag über befahrbar, wird aber besser früh morgens im Sommer angegangen, wenn der touristische Andrang rund um Cortina d’Ampezzo noch gering ist.
Wann hinauffahren
Von Juni bis September, da die Straße je nach Jahr bis Mai schneebedingt gesperrt bleiben kann in dieser Höhe. Juli-August bietet die besten Bedingungen, aber auch den stärksten Andrang, da Cortina d’Ampezzo ein bedeutendes touristisches Ziel der Dolomiten ist.
Gut zu wissen
Selva di Cadore, ein kleines Dorf am Fuß des Passes, bietet eine begrenzte, aber für eine Etappe ausreichende Auswahl an Unterkünften, mit praktischem Zugang zu Cortina d’Ampezzo für einen vollständigeren Aufenthalt in den Dolomiten.