Auf 2642 m Höhe ist der Col du Galibier regelmäßig der höchste Punkt der Tour de France, wenn er auf der Strecke liegt, und einer der gefürchtetsten Pässe des Alpenmassivs. Anders als der Ventoux, der durch seine Isolation beeindruckt, erdrückt der Galibier durch die Weite der Kulisse: in der Ferne sichtbare Gletscher, Almen so weit das Auge reicht, und ein Finale oberhalb von 2400 m, wo die Luft spürbar dünn wird.
Das Profil ab Valloire
Von Valloire aus sind es 18,1 km bei 1245 Höhenmetern, im Schnitt 6,9 % — eine Zahl, die eine deutlich härtere Realität in den letzten 5 Kilometern verdeckt, wo die Steigung regelmäßig auf 9-10 % in zunehmend dünnerer Luft klettert. Es ist die Kombination aus Höhe und Steigung, die dieses Finale so gefürchtet macht: dieselbe Steigung auf 1000 m Höhe würde fast harmlos wirken.
Der Pass ist eine strategische Kreuzung: Man kann ihn mit dem Col du Télégraphe auf der Seite von Saint-Michel-de-Maurienne kombinieren, für eine legendäre Tour mit über 30 km kumulierter Auffahrt, oder mit dem Col du Lautaret Richtung Süden bis Briançon verbinden.
Wie man die Tour angeht
Das Höhenmanagement ist das eigentliche Thema am Galibier. Ab 2000 m wird der Sauerstoff knapper und die gefühlte Anstrengung steigt bei gleicher Wattzahl deutlich. Besser vorsichtiger als gewohnt in die ersten Kilometer starten und Reserven für die letzten 5, anspruchsvollsten Kilometer aufsparen. Ein weicherer Gang als im Flachland (eine Kassette mit 11-32 oder breiter) hilft, eine vernünftige Trittfrequenz zu halten, wenn die Beine zu brennen beginnen.
Das Alpenwetter ändert sich schnell: ein klarer Himmel beim Start in Valloire kann sich innerhalb einer Stunde am Gipfel zuziehen, mit einem Temperaturabfall von 10 bis 15 Grad. Eine warme Jacke und lange Handschuhe in der Tasche, selbst bei schönem Wetter, sind nie überflüssig — die Abfahrt kann eisig sein.
Wann hinauffahren
Der Pass ist den größten Teil des Jahres durch Schnee gesperrt und öffnet meist erst Mitte oder Ende Juni, je nach Schneelage manchmal später. Das ideale Zeitfenster liegt zwischen Ende Juni und September. Es empfiehlt sich, die Öffnung des Passes vor der Abfahrt zu prüfen, besonders im Juni, und einen frühen Start zu wählen, um die im Sommer häufigen Nachmittagsgewitter in den Bergen zu vermeiden.
Gut zu wissen
Valloire, ein Stationsdorf am Fuß des Passes, bietet einen guten Kompromiss zur Vorbereitung der Auffahrt: an Radsportler gewöhnte Fahrradverleiher, vielfältige Unterkünfte und direkten Zugang zum Télégraphe zur Verlängerung der Tour. Eine Reserve an fester Nahrung zusätzlich zu den Flaschen lohnt sich: die Anstrengung in der Höhe zehrt stärker an den Reserven als erwartet.

