Manche Anstiege fährt man, den Mont Ventoux bezwingt man. Von Dutzenden Kilometern Entfernung sichtbar mit seinem weißen Gipfel, der wie dauerhaften Schnee wirkt, ist der “Riese der Provence” einer der wenigen Pässe, bei denen sich die Landschaft dreimal komplett verändert, bevor man oben ankommt. Er ist auch eine der legendärsten Etappen der Tour de France, Schauplatz des tragischen Todes von Tom Simpson 1967, dessen Gedenkstein etwa 1,5 km vom Gipfel entfernt auf der Bédoin-Seite steht.
Drei Auffahrten, drei Stimmungen
Der Ventoux wird klassisch über drei Seiten erklommen: Bédoin (die härteste und meistbefahrene), Malaucène (etwas weniger schwer, aber ebenso anspruchsvoll) und Sault (die längste, aber zugänglichste, mit einem flachen Beginn). Dieser Guide konzentriert sich auf die Bédoin-Variante, die historische Referenz mit 21,5 km und 1617 Höhenmetern, im Schnitt 7,5 %.
Die Auffahrt gliedert sich in drei klar getrennte Abschnitte:
- Bédoin → Saint-Estève (0 bis 6 km): ein rollendes, leicht ansteigendes Stück durch Garrigue und Weinberge, fast trügerisch angesichts dessen, was folgt.
- Saint-Estève → Chalet Reynard (6 bis 15,5 km): der härteste Teil, im Wald, mit Steigungen, die regelmäßig 9-10 % überschreiten, ohne jede Verschnaufpause. Hier entscheidet sich das Rennen gegen sich selbst.
- Chalet Reynard → Gipfel (15,5 bis 21,5 km): der Austritt aus dem Wald auf das mondähnliche Plateau aus weißen Steinen, wo der Wind brutal auffrischen kann. Die Steigung wird etwas milder, aber die Exposition und der Wind gleichen das mehr als aus.
Wie man die Tour angeht
Der Schlüssel zum Ventoux über Bédoin liegt im Kräftemanagement im Waldabschnitt: Viele Radfahrer starten zu schnell auf dem anfänglichen Falschflachen und zahlen zwischen dem 8. und 15. Kilometer die Rechnung. Ein kompakter Gang (mindestens 34x28) ist kein Luxus, selbst für erfahrene Kletterer. Denk daran, mit mindestens zwei vollen Flaschen zu starten: Zwischen Bédoin und dem Chalet Reynard, etwa auf zwei Dritteln der Auffahrt, gibt es keine Wasserstelle.
Der Wind ist der unberechenbarste Faktor am Ventoux. Der Mistral kann am Gipfel über 90 km/h erreichen, selbst an einem im Tal ruhigen Tag — eine kompressible Windjacke in der Trikottasche ist nie überflüssig, besonders für die Abfahrt, die selbst im Hochsommer eisig sein kann.
Wann hinauffahren
Die Straße ist in der Regel von Ende November bis April durch Schnee gesperrt. Das beste Zeitfenster liegt zwischen Mai und September, mit einer Präferenz für Juni und September, um die drückende Hitze von Juli-August im bewaldeten Teil zu vermeiden, wo ab dem Chalet Reynard Schatten fehlt. Ein früher Start vermeidet sowohl die Hitze als auch den späteren am Vormittag dichteren Autoverkehr.
Gut zu wissen
Bédoin, am Fuß der Auffahrt, ist ein exzellentes Basislager: mehrere Fahrradverleiher, an hungrige Radfahrer gewöhnte Restaurants, und ein schneller Zugang zu allen drei Ventoux-Seiten, wenn du die Auffahrten über mehrere Tage kombinieren willst. Das Dorf lohnt auch wegen seines provenzalischen Markts am Montagvormittag einen Abstecher.

